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Automobiles... aufgerollt
Familienkutsche für James Bond
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Wenn der weltberühmte britische Agent James Bond, internes Kürzel 007, mit seinem Dienstwagen auf geheimer Mission unterwegs ist, so sind dies stets zweitürige Modelle aus der Edelschmiede, die heute in dem kleinen Städtchen Gaydon, etwa 150 Kilometer nord-westlich von London, residiert. Ob beispielsweise der legendäre DB5 in Goldfinger von 1964, der V12 Vanquish in Another Day von 2002 oder der DBS in Casino Royale von 2006, immer waren es zweitürige Zweisitzer, was ja auch für den überzeugten Single Bond, nebst weiblicher Neueroberung vollkommen ausreichte. Stellen wir uns aber einmal den Geheimagenten Bond verheiratetet und mit zwei Kindern vor, der auch seine vierköpfige Familie standesgemäß im Aston Martin kutschieren müsste. Bis vor kurzem wäre die Auswahl nicht so schwer gefallen, denn von 1976 bis 1989 wurde der Aston Martin Lagonda als viertüriger Fünfsitzer mit einem sehr eigenwilligen Design gebaut. Für einen modernen Familienvater aber wäre dieser skurrile Youngtimer wohl kaum ein angemessenes Fahrzeug. So dachte wahrscheinlich auch Aston Martin und entwickelte das wohl eleganteste, stilvollste und gentlemanlikeste Coupé aller Zeiten mit vier Türen. Der Name lautet Rapide und ist angelehnt an die Limousinen, die in den Jahren 1961 bis 1964 gebaut wurden. Der 5,02 m lange Rapide – puristische Aston-Martin-Liebhaber mögen jetzt lieber nicht weiterlesen – wird im österreichischen Graz bei Magna-Steyr gebaut, da die Kapazitäten im Stammwerk in Gaydon mit 6.000 Fahrzeugen per anno bereits erschöpft sind.
Nun steht er also vor mir, der zwölfzylindrige Gentlemen mit vier Türen. Diese öffnen sich übrigens fast wie Flügeltüren mit einem Winkel von 12 Grad schräg nach oben. Das sieht nicht nur gut aus, sondern schont auch noch die Tür-Unterkante bei hohen Bordsteinen. Beim bloßen Anblick entsteht ein Gefühl von Schnelligkeit. Bevor ich den 477-PS-Motor starte, betrachte ich den Schlüssel, den schönsten, den ich je gesehen habe. Er allein kostet schon über 700 Euro und ist mit einem kleinen Glasbaustein, in den das Aston-Martin-Logo gelasert wurde, am oberen Ende verziert. Dieses kleine Schmuckstück wird in einen Schlitz in der Mittelkonsole unterhalb des Navigationsbildschirms geschoben. Mit einem leichten Druck startet das Triebwerk mit einem satten Brumm-brumm-brummm. Natürlich kann man den Motor aufdringlich hochtourig auf dem Boulevard bollern lassen. Mann muss das aber nicht, denn eine Fahrt in einem Aston Martin zelebriert man stilvoll, vornehm und stets unaufgeregt elegant. Adlige Aston-Martin-Fans à la Prinz Charles zeigen königlich, wie es richtig geht. Ich cruise also très nonchalant durch Berlin, zwischen Kurfürstendamm, Gendarmenmarkt und Roseneck. Da der britische Viertürer aber hier nur vereinzelt anzutreffen ist, bemerke ich zahlreiche neugierige und erstaunte Blicke. Ab und zu erspähe ich auch ein zustimmendes Daumen-hoch-Symbol. All diese Gesten erreichen mich voller Anerkennung und keinesfalls neidvoll. Die Fahrt ist sehr angenehm, denn die Klimaanlage ist zugfrei, die von ZF stammende Sechsgangautomatik schaltet sanft und absolut ruckfrei. Wenn ich den Zweitonner dann aber doch etwas sportiver bewegen möchte, schalte ich manuell mit den Magnesium-Paddeln am Lenkrad. So kann ich von null auf 100 km/h in nur 5,4 Sekunden beschleunigen. Ausgefahren erreiche ich mit dem Rapide eine Höchstgeschwindigkeit von 295 km/h. Was für ein erhabenes Gefühl… Der Aston Martin Rapide ist zu einem Preis ab 180.000 Euro zu erwerben.

Eine Raubkatze feiert 75. Geburtstag
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Es gibt kaum eine Automobilmarke, die so geliebt wird, wie Jaguar. Dieses allgegenwärtige britische Understatement, die Tradition, die Rennerfolge und das legendäre »Racing Green« – all dies macht die Marke mit dem zum Sprung ansetzenden Raubtier zum gelebten, ja zum »erfahrenen« Mythos. Jetzt feiert Jaguar seinen 75. Geburtstag – der Tradition verpflichtet natürlich mit Vollgas.
Und mit Vollgas fing das alles schon kurz nach dem ersten Weltkrieg an. Mit einem torpedoförmigen Motorrad-Beiwagen aus Aluminium im Jahr 1922. Die beiden Freunde William Walmsley und William Lyons gründeten im mondänen englischen Seebad Blackpool die Firma Swallow Sidecars, was so viel wie »Schwalbe-Beiwagen« heißt. 1928 zog die Firma nach Coventry, in der Nähe von Birmingham, wo auch heute noch die Unternehmenszentrale von Jaguar ist. 1931 kam dann mit dem SS I (Swallow Sidecars No.1) der erste Wagen mit einem speziell für Swallow gefertigten Chassis. Im Herbst 1935 stellte William Lyons im Londoner Mayfair Hotel den SS 100 mit der Zusatzbezeichnung »Jaguar« vor. Der erste Jaguar Sportwagen erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 100 mph (161 km/h). Bereits damals bestach dieser Jaguar durch höchste Kraft, Eleganz und Sportlichkeit. Das war die offizielle Geburtsstunde des Autoherstellers Jaguar. Jetzt zum 75. Jubiläum macht sich Jaguar selbst drei herrliche Geschenke: drei Sondermodelle, ja man möchte hier schon von Sammlerstücken sprechen, in limitierter Auflage von je 75 Stück. Am legendären Nürburgring dürfen wir diese Raritäten auf der Rennstrecke ausprobieren. Dies tun wir nicht etwa in der »grünen Hölle« der Nordschleife, wo uns wahrscheinlich nur semiprofessionell getunte Youngtimer den Weg versperren würden, sondern auf der für uns abgesperrten Formel-1-Grand-Prix-Strecke, wo sonst Schumi, Vettel und Co. ihre Runden drehen. Ich starte mit XKR 75. Das Sport-Coupé hat 530 Pferdchen unter der traumhaft langen Motorhaube und begeistert schon beim Anlassen des V8-Kompressor-Triebwerks mit seinem kernig grollenden Sound, der aus den vier Endrohren röhrt. Im Vergleich zum Standard-XKR gelang es den Ingenieuren mit einer neuen Elektronik und einer geänderten Motorsteuerung weitere 20 PS zu mobilisieren. Parallel steigt so auch das maximale Drehmoment von 625 auf 655 Newtonmeter. Und tatsächlich, dieses etwas Mehr an Kraft ist deutlich spürbar. Der gierige XKR 75 brüllt bei jedem Gasstoß kräftiger, trompetet bei höheren Drehzahlen stärker und beschleunigt jederzeit schneller. Beim Standard-Sprint von null auf 100 km/h schrumpfte die Zeit von 4,8 auf 4,6 Sekunden und die Endgeschwindigkeit wurde von 250 auf 280 km/h erhöht. Die erreiche ich auf der langen Geraden auch, dann retten mich ein kräftiger Druck aufs Bremspedal und die elektronischen Assistenzsysteme von dem Ausflug ins Kiesbett. Was für ein Highspeed-Spaß – gern auch noch nach Sonnenuntergang, denn die Bi-Xenon-Scheinwerfer leuchten die Strecke sehr gut aus. Wer noch schnell so einen XKR 75 mit dem bösen Raubkatzen-Grollen ergattern möchte, sollte sich wirklich beeilen und 124.900 Euro berappen können. Dafür wird einem die Farbauswahl sehr leicht gemacht: Die Aluminium-Karosse des schnellsten XK aller Zeiten gibt es nur und exklusiv in Stratus Grau.
Die anderen beiden Sondermodelle sind zwar nicht so flott unterwegs, aber nicht minder faszinierend. Die viertürigen Diesel-Limousinen basieren auf dem XF und heißen XF Grace und XF Pace: einmal eleganter Luxus und einmal Sportlichkeit. Der 240 PS starke XF Grace hat eine sehr üppige Portfolio-Ausstattung; das Sport-Interieur-Paket hat Paneele in Piano-Lack und vielerlei technische Finessen. Das akustische Highlight liefert das Premium-Soundsystem von Bowers & Wilkens. Der Preis für den XF Grace beträgt 70.400 Euro. Wie auch beim Schwestermodell XF Pace prangt auf der Mittelkonsole eine 75-Jahre-Plakette, die auf die Limited Edition hinweist.
Der XF Pace ist ein souveräner Selbstzünder mit viel Pep für Viel- und Schnellfahrer. Der Diesel S-V6 leistet 275 PS und passt bestens zu diesem Jaguar. Die Sechsgangautomatik schaltet seidenweich und blitzschnell. Den Sprint auf 100 km/h erledigt die Limousine in 6,4 Sekunden. Erst bei 250 km/h schaltet der Brite die elektronische Bremse ein. Hier liegt der Preis bei 72.800 Euro.
Alles in allem ein sehr gelungener Geburtstag, zumal Jaguar auf dem Pariser Autosalon die Studie C-X75 mit Elektroantrieb und Reichweitenverlängerung vorstellte. Der extreme Supersportwagen mit Allradantrieb und Aluminium-Chassis sprintet von null auf 300 km/h in lediglich 15,7 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h. Die Lithium-Ionen-Batterien werden während der Fahrt mit Gasturbinen nachgeladen, wodurch sich die Reichweite auf bis zu 900 km verlängert.
Da freuen wir uns doch schon auf die Jaguar-Neuerscheinungen der nächsten Jahre. Man hört ja aus England, dass ein kleiner Sportwagen mit
»E-Type-Genen« in der Pipeline liegen soll…

Das vielleicht beste Auto der Welt
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Beim angeregten, aber sehr gepflegten Gespräch in einer Cigarrenlounge kommt mal wieder die Frage nach dem bestem Auto der Welt auf. Muss es eine Limousine sein? Mindestens 500 PS? Platz für zwei, drei, vier oder fünf Passagiere? Natürlich ist all dies Geschmackssache, wie die allabendliche Cigarren-Entscheidung nach einer Robusto, einem Torpedo oder einer Churchill. Der Namensgeber Winston Churchill fuhr ja am allerliebsten in einem Bentley S1 Park Ward Continental. Und da bin ich mal mit Herrn Churchill einer Meinung. Auch für mich ist ein Bentley Continental erste Wahl. Zurzeit ist es der neueste und schnellste offene Bentley aller Zeiten mit Straßenzulassung: das Continental Supersports Cabriolet. Die atemberaubenden technischen Daten gleich schon mal vorweg: sechs Liter Hubraum verteilt auf zwölf Zylinder in W-Form, 630 PS und ein maximales Drehmoment von 800 Newtonmeter. So schafft der im Vergleich zur Basisversion GTC abgespeckte Carbon-Ceramic-Traum den Sprint von null auf 100 km/h in nur 4,2 Sekunden. Kaum ein Porsche kommt da hinterher. Die Höchstgeschwindigkeit liegt offen genauso wie geschlossen gefahren bei 325 ­km/h. Schnell noch mal zum auferlegten Diät-Programm: Die Kilos, in diesem Fall gleich zehn, purzelten zum Beispiel durch die Verwendung von Ceramic-Carbon-Bremsen, 20 kg Ersparnis brachten die 20-Zoll-Leichtmetallfelgen im Zehn-Speichen-Design und sensationelle 45 kg wurden bei den Vordersitzen eingespart. Die haben jetzt nämlich superleichte, aber trotzdem sehr stabile Kohlefaser-Schalen. Aber auch der Preis lässt einen mal kurz staunen: mindestens 241.451 Euro so steht es in dem edlen Preisbüchlein. Aber – und jetzt bitte nicht gleich laut lachen – dieser extreme Bentley ist auch ein bisschen öko, denn genau wie sein geschlossener Bruder kann der Bentley GTC Supersports, Bio-Ethanol, kurz E85, tanken. So sind sogar nochmals zehn bis 15 Prozent mehr Leistung drin. Der FlexFuel-Supersportler kann also mit herkömmlichem Kraftstoff, mit Biokraftstoff oder einer Kombination aus beidem fahren. So wird der CO2-Ausstoß im Idealfall um bis zu 70 Prozent reduziert. Das Gewissen ist so wieder beruhigt und man kann eine schöne Cigarre beim Cruisen über den Kurfürstendamm in Berlin genießen, wenn man keine Scheu vor Passanten mit Fotohandys hat, denn die klicken munter an jeder Ampel. Der Supersports ist halt ein echter Superstar und seine Insassen dann eben (leider) auch.
Also entziehe ich mich dem nicht geplanten Menschenauflauf in der City und düse auf der Autobahn Richtung Hannover. Bei der ausgiebigen Testfahrt unter freiem Himmel fiel gleich sehr angenehm auf, dass die Verwirbelungen im Innenraum selbst bei heruntergelassenen Seitenscheiben auch bei hohem Tempo erstaunlich gering ist. Und dann kommt das, was natürlich eigentlich auch kommen musste: Von hinten saugt sich gierig ein ebenfalls offenes Fahrzeug heran, ein BMW M6, der mittlerweile nicht mehr gebaut wird, mit 507 PS, die aus zehn Zylindern kommen. Der Unwissende will es doch wirklich wissen, denke ich mir, aber auf gleicher Höhe angekommen, stellt sich der mit sonnenbebrille Blondschopf als attraktive Bleifuß-Lady heraus. Und die ahnt wohl schon, dass auch ich keinem Race aus dem Weg gehe. Die Sache aber ist schnell entschieden, ich ziehe mit dem Bentley so schnell davon, dass die flotte PS-Braut ebenso schnell beleidigt in der nächsten Ausfahrt verschwindet. Schade, ich hätte sie gern bei einem Espresso nach ihrer Meinung befragt – zum besten Auto der Welt…

TEXT: FALK VON RIED

 
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